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Terski-Leprosorium / Kaukasus
Wir setzten unsere Reise fort. Wir rollten 7 Stunden durch den Kaukasus Richtung Süden,
mein Mann im Lastwagen mit den Hilfsgütern, ich im Krankentransportwagen mit einer Ärztin
aus dem Terski Leprosorium, die uns nach Rostov entgegen gekommen war, um uns willkommen
zu heißen.
Es war eine breite, asphaltierte Straße, auf der man dennoch nicht sehr schnell fahren konnte,
weil sie in festgelegten Abständen eingeengt war. Jedes Fahrzeug musste ständig stoppen und
jedes Fahrzeug wurde ohne Ausnahme kontrolliert. Bewaffnete Soldaten und Panzer bestimmten
das Bild der Straße. Spät nach Mitternacht kamen wir im Leprosorium an.
Es herrschte dort tiefe Dunkelheit und absolute Stille. Wir reichten uns die Hände,
um nicht zu stolpern. Man führte uns in ein Haus, in dem zu unserem großen Erstaunen plötzlich
ein gedeckter Tisch stand und um ihn herum einige Mitarbeiter, die mit Geduld auf uns
gewartet hatten. Sofort entstand eine herzliche Atmosphäre, die ich kaum beschreiben kann!
Es war für mich der Ausgleich für die vielen Schwierigkeiten, die ich während der Reise
durchstehen musste. Noch lange erzählten wir miteinander! Anschließend sagte der Chefarzt,
Herr Michael Gridasow: "08:00 Uhr früh ist Visite, wir fangen bei den Schwerstkranken an."
Das Terski-Leprosorium liegt im Grünen. Ich merkte sofort, dass hier Sauberkeit und
Ordnung herrschen. Die Kranken waren erstaunt, aber auch über unser Kommen erfreut. Sie
waren sehr gesprächig. Sie erzählten über ihre Krankheits- und Familiengeschichten, über
den Weg ihres unendlichen Leidens, der fortschreitenden Verstümmelungen und Verkrüppelungen.
Eine Leprakranke bat mich: "Zuerst möchte ich etwas über Ihre Lebensgeschichte erfahren,
dann erst erzähle ich meine", eine für mich ungewöhnliche Aufforderung! Ich überlegte,
was aus meinem Leben für sie von Interesse sein könnte. Sie aber unterbrach das Schweigen
mit der Frage: "Glauben Sie an Gott ?!" "Natürlich", erwiderte ich, "sonst würde ich nicht
bei Ihnen im Leprosorium sein".
Ich besuchte alle Patienten in ihren Zimmern, drückte jedem die Hand und versprach nach
meinen Möglichkeiten zu helfen. Während der Wundversorgung betrachtete ich mit innerer
Erschütterung die leprösen Veränderungen der Füße. Die Patienten legten eine Schicht Watte
unter die Fußsohlen, da die Schuhversorgung sehr viel zu wünschen ließ. Doch trotz ihrer
Gehbehinderungen und der Verunstaltungen ihrer Hände, haben sie es geschafft, die Gärten
und die Felder im Leprosorium zu bearbeiten. Mit Staunen und großer Erfurcht bewunderte
ich die Ergebnisse ihrer Arbeit.
2007

Ich besuchte das Terski-Leprosorium zum dritten Mal.
Herzliche Gepräche mit den Leprakranken, wie mit alten Freunden. Sie sind sehr dankbar für alle Neuanschaffungen. Beispielsweise verbessern Rollstühle erheblich die Lebensqualität der Patienten, verschaffen Möglichkeit für stundenlange, selbständige Bewegung im Gelände des Leprosorioms - im Grünen, an der frischen Luft.
So konnte ich den Leprakranken dank der Spenden aus Dinslaken helfen.
"Vergessen Sie uns nicht!" riefen sie mir beim Abschied zu.
2009
Dr. Michail Gridasow ist weiterhin Chefarzt vom Terski Leprosorium. Im September 2007 wurde dort das 110 Gründungsjahr
begangen. Aus diesem Anlass ist dort eine Schulungskonferenz abgehalten worden. Es war für mich eine Gelegenheit die Kranken
zu besuchen und zugleich sie nach Möglichkeiten zu versorgen. Die Freude der Patienten war groß. Jegliche Hilfe nahmen sie mit
Dankbarkeit an. Sie riefen mir beim Abschied zu: „Romana vergesse uns nicht, verspreche uns, dass du wiederkommst“
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