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Usbekistan - Bachmal
Das Leprosorium Bachmal ist klein, zu damaligem Zeitpunkt mit 17 Patienten belegt, abgesehen
von 140 ambulanten Leprakranken, zu denen jegliche Verbindung fehlte...
Der zuständige Lepraarzt hatte einen freien Tag. So haben wir vertretungsweise Herrn Fajsula
gesprochen. Die größte Sorge des Arztes war der Mangel an Medikamenten. Uns gelang es
schnell, die Leprakranken zu untersuchen und deren Situation zu erfassen.
Ich erinnere mich an einen noch relativ jungen Patienten, der sehr still war und kaum etwas
sagte, als ich mich bemühte, mit ihm das Gespräch aufzunehmen.
Sein Gesicht war vom Schmerz verzogen. Es handelte sich offensichtlich bei ihm um eine
Leprareaktion. Ich fragte erstaunt, weswegen er keine Aspirintablette und kein
Kortison bekommt. "Man muß diese Medikamente erst haben und dann kann man sie dem
Patienten verabreichen", lautete die Antwort.
Wir kehrten den selben Weg durch die Wüste zurück. Eine Flut von Gedanken quälte mich. Ich
dachte an die leidenden Leprakranken in Bachmal, an die Verkrüppelten und Verstümmelten im
Leprosorium Krantau, an den Transporter, den wir mit soviel Fleiß und Fürsorge geladen und
auf den Weg nach Nukus gebracht hatten, der aber immer noch nicht eingetroffen war. Zu all
dem überfiel mich in der Wüste auch noch eine schmerzhafte Magen-Darm-Verstimmung mit
Kreislaufkollaps. Ich musste feststellen, dass ich seelisch und körperlich völlig
erschöpft war.
Inzwischen trafen wir im Leprosorium Krantau ein. Der Laster war nicht zu sehen. Von
einem Telefonkontakt konnte man nur träumen, da dieses Leprosorium, obwohl es nur 40 km
von der Hauptstadt entfernt lag, keinen telefonischen Anschluss hatte! Das Telefonieren
von Nukus nach Taschkent war außerdem mit sehr großen Schwierigkeiten und mit riesigem
Zeitverlust von vielen Stunden verbunden Erst nach einer Genehmigung durch das
Innenministerium gelang es uns, tatsächlich nach Dinslaken telefonieren zu können.
"Hier herrschen merkwürdige Zustände", sagte ich dem Gesundheitsminister, bei dem wir auch
einige Male für kaum bemerkenswerte Erledigungen um Genehmigungen bitten mussten. "Es gibt
Dinge die in der ganzen Welt geregelt sind, aber nicht in Karakalpakstan," lautete seine
Antwort.
Beim Abflug aus Nukus entstanden am Flughafen noch Kosten, die wir mit DM bezahlen
wollten. Den 100-D-Mark-Schein schaute man misstrauisch an.
"Was ist das für Geld?" fragte man uns. "Deutsche Währung", antworteten wir mit innerer
Ungeduld. " Solches Geld ist bei uns unbekannt. Sie geben uns Dollar oder Sie bleiben in
Karakalpakstan!"
Dank unserer Freunde, den Lepraärzten, die übrigens von der D-Mark auch noch nie
gehört hatten, gelang es uns, dieses eigenartige Land zu verlassen.
Einige Wochen nach unserer Ankunft zuhause in Dinslaken erfuhren wir, dass der Fahrer
des Sattelschleppers während unserer Abfahrt aus Nukus das Leprosorium Krantau anfuhr,
die Hilfsgüter gut angekommen sind und unser Fahrer nun wieder in seinen türkischen
Heimatort am Schwarzen Meer zurückgefahren ist. So merkwürdig diese Reise, das Land und
der Hilfstransport waren - wir haben helfen können und viele Menschen kennen gelernt,
mit denen wir bis heute verbunden sind.
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